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Fataler Wasserfall der BA: "... nach der vierjährigen Laborentwicklung..."

Die Meldung über das 16 Mio Euro Projekt, mit dem die Bundesagentur für Arbeit den Zugriff auf ihre unzähligen Systeme vereinfachen wollte, geht gerade durch die Medien. 

"Nach Angaben des Sprechers hatte sich das bei der BA unter der Bezeichnung „Robaso“ firmierende Projekt nach der vierjährigen Laborentwicklung im praktischen Einsatz als nicht „ausreichend flexibel“ erwiesen."

Dass es auch im Jahr 2017 noch Meldungen wie diese gibt, gerade im Umfeld von Softwareentwicklung, mag manche schockieren, andere amüsieren. Aber es ist auf einer unbewussten Ebene wohl schlicht der Ausdruck von fehlendem Realitätsbezug und Unsicherheit, so meine Lesart.

Es ist erwiesen, dass iterative Prozesse schneller und erfolgreicher zum Ziel führen. Aber sie gehen eben auch quer zu Arbeitsroutinen, die sich seit der Industrialisierung etabliert haben und gerade in Betrieben mit Verwaltungsstrukturen zu Höchstform entwickelt haben. Ich meine das durchaus positiv, denn wiederkehrende Prozesse sollten möglichst klar definiert sein, verlässlich funktionieren und von Personen (Menscheln!) unabhängig sein.

In dieser Kultur ist es klar, dass Dinge planbar, strukturierbar und kontrollierbar sind. Und Fehler nicht passieren. 

Und so scheitert das Projekt dann erwartungsgemäß erst an der Realität: Menschen, die Fehler machen. Flüchtigkeitsfehler wie ein Zahlendreher bei der Eingabe einer Kontonummer. 

Wenn ich von iterativen Prozessen spreche, dann steht bei mir gar nicht so sehr die Software im Mittelpunkt. Sondern der Mensch. Er wird, Stand heute, immer noch bei Dateneingabe, -ausgabe und -bearbeitung mitspielen. Und damit hat er Bedürfnisse, die abgedeckt werden müssen. Und die findet man eben nicht im Labor heraus, sondern in der Realität. Und die wird beim iterativen Arbeiten eben nicht nach vier Jahren, sondern nach den ersten Wochen schon einbezogen. 

Wem Kontrolle also unternehmenskulturell wichtig ist: Kontrolliert bitte nicht nur Budgets, sondern auch den Realitätsbezug. Regelmäßig.

Petra MeyerComment