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Wie Verunsicherung das Menscheln blühen lässt - Thema Schule

Das Traurigste war, dass es mich nicht mal überraschte. Eine mir privat bekannte Hortleiterin sagte mir letzte Woche, dass sie auf keinen Fall über ihr Rentenalter hinaus arbeiten werde - sie sei mit Herzblut dabei, aber Administratives und "die Eltern" würden ihr die Entscheidung leicht machen. 

Eltern sind beim Thema Menscheln ein erstaunliches Phänomen, denn sonst benennen wir damit den Unwillen der Menschen, sich wie Rädchen im Getriebe zu verhalten. Im Umfeld Schule/Ausbildung entstehen derzeit die Probleme aber gerade daraus, dass viele Eltern aus ihren Kindern perfekte Rädchen machen wollen,- oder meinetwegen Schalthebel, wenn das in diesem Bild dann Karriere bedeutet...

Viele Dinge verunsichern uns Erwachsene seit Jahren - die lebenlange Karriere bei einem Arbeitgeber gehört meist der Vergangenheit an, unsichere und wechselhafte Rahmenbedingungen und immer neue Anforderungen wie ständige Erreichbarkeit setzen uns bewusst oder unbewusst unter Druck. Wir spüren, dass es für uns mindestens genauso schwer werden wird in dem Neuen zu bestehen wie für die Hafenarbeiter damals bei der Einführung der Container - nur ist es weniger greifbar und die Vergleichbarkeit ist dank neuer Medien möglich und ständiger Spiegel unseres (Un)Vermögens. 

Die Zeitenwende ist nicht in Stahl gegossen diesmal, sie ist digital und findet viel unbedingter und schneller statt. Dabei wären wir doch am liebsten weiter in dem bewährten Modell, das unsere Eltern für uns erfanden und in dem wir in ständig wachsendem allgemeinen Wohlstand aufwuchsen (gestehen Sie mir hier die westdeutsche Sicht zu für den Moment, die Umbrüche im Osten nach der Wende sind im Zweifelsfall nur ein zusätzliches Überforderungsszenario, das Menschen auf Sicherheit pochen ließ). 

Wie reagiert unser Körper instinktiv und seit Urzeiten auf Streß und Angst? Fluchtreflex und eingeengtes Sichtfeld. Bei vielen Eltern drückt sich das heute so aus, dass sie ihre Kinder um jeden Preis möglichst erfolgreich durch das Schulsystem pressen wollen, um ihnen alle Chancen zu sichern in einer Welt, in der doch genau diese alten Dinge gar keine Erfolgsgaranten mehr sein können. Die zu komplex ist, um mit MBA Abschlüssen gemeistert werden zu können, von auswendig-gelernten Jahreszahlen oder Vokabeln ganz zu schweigen. In ihrem eigenen Streß übersehen die Eltern das und sichern dem eigenen Nachwuchs mit Wegbeißen der Konkurrenz oder vermeintlichen Feinden etwas, das sie gar nicht brauchen.

_Konkurrenz, das sind die Mitschüler, die mit Nachhilfe überholt werden müssen oder vielleicht lebendigere Kinder, die das eigene angeblich in der Konzentration stören und entfernt werden müssen aus dem Lernumfeld. Mehr Hobbies, musikalisch wie sportlich herausragend sein, usw.

_Feinde, das sind dann eben auch oft die Lehrer und Erzieher, die diese Fokussierung natürlich weder leisten wollen noch können. Die unter ähnlichem Streß stehen, weil ihr Beruf unter Dauerfeuer steht und eigentlich gar nichts mit dem zu tun hat, wofür sie ihn einmal begonnen hatten. 

Treten wir einen Schritt zurück, so sehen wir, dass andere Dinge zählen werden, die Kinder zu Beginn noch von ganz allein beherrschen: Neugier, Lernwille, Eigenmotivation, Zusammenhalt. Natürlich klingt das "weich", aber es ist 100x mehr Kraft in diesen Dingen als im Schulsystem des Industriezeitalters. Denn diese Dinge kommen aus uns selbst und sind bei jedem vorhanden, besser geht's doch gar nicht!

Unter Streß kann keiner Vertrauen entwickeln, aber genau das ist das einzige Gegenmittel gegen die Angst. Vertrauen in das Vermögen Anderer, hier: unserer Kinder. 

Wer mehr wissen will, Rettung gibts zum Beispiel hier: www.schule-im-aufbruch.de 

Und wer Ideen von Frederic Laloux wiedererkannt hat im Text, der lag auch richtig, gestern war er mal wieder in Berlin: www.reinventingorganizations.com 

Petra MeyerComment